Grumbira und Nudeln von Frau B.

Martina von Frau B. erzählt uns heute von ihrem liebsten Rezept in ihrer Kindheit und lässt uns an ihren damit verbundenen Erinnerungen teilhaben.

Danke liebe Martina für deinen Beitrag!

 

Von Erinnerungen und einem Lieblingsrezept

Es gibt Erinnerungen, die hat man sehr deutlich vor Augen. Manchmal kann man sie auch schmecken, weiß, wie etwas gerochen hat. Oder der berühmte Ohrwurm, man wippt einfach automatisch mit, kann ohne nachzudenken mitsingen. Einige solcher Erinnerungen reichen weit zurück.

Wer schließt nicht genießerisch die Augen, wenn er an den einen, besonderen, leckeren Kuchen von der Oma denkt. Den mit den saftigen Äpfeln, Pflaumen, den knusprigen Streuseln. Lauwarm, mit einem Berg frisch geschlagener süßer Sahne. Die Bauchschmerzen, die dem heißen Käsekuchen folgten. Ein Braten, den immer die Mama zubereitet hat, frisch aus dem Ofen, mit diesen riesigen, fluffigen, Soße aufsaugenden Knödeln,… Ein Synonym für Erinnerung ist, passender Weise, Nachgeschmack. Ja, ich finde, das Wort fügt sich recht schön ein in unsere Geschichte, die Erinnerung aus meiner Kindheit. Die Geschichte meines Lieblingsrezepts von sellamal,…

Angefangen hat die Idee, Gerichte aus meiner Familie aufzuschreiben, schon vor ungefähr 20 Jahren. Denn vor so etwa 20 Jahren sind Herr und FrauBpunkt in eine gemeinsame Wohnung gezogen. Wir begannen uns recht intensiv mit dem Thema Essen, Genuss und altersbedingt, Feiern bis zum Morgengrauen, auseinander zu setzen. Recht ausgiebig, wie ich mit einem Lächeln im Gesicht, rückblickend meine. Und mit dem Kochen und Backen kamen auch viele positive und einige negative Erfahrungen dazu. Um zu vermeiden, dass sich die unschöneren wiederholen begann ich, erst sporadisch, dann immer häufiger meine, unsere, Rezepte aufzuschreiben.

Und dann wurde mir bewusst, dass es Rezepte im Kreis meiner Familie gab, die ich auch unbedingt „konservieren“ wollte. Es ist klar, dass ich niemals den Kartoffelsalat genau so, wie meine geliebte Weiwi-Oma, hinbekommen werde. Der Apfelkuchen mit geriebenen Äpfeln meiner Oma Maria bleibt, in meiner Erinnerung, einzigartig. Meine Mama macht definitiv den weltbesten Specksalat! Und mein Opa Michael, ja, der hatte DAS Gericht meiner Kindheit in petto.

Natürlich kann man niemals an das Original, in seinem eigenen Kopf, heran kommen. Es fehlt ja die leicht knarzende Küchencouch, das Zinnbild an der Wand, der Geruch der Wohnung, das Kissen mit den Troddeln, die tickende Küchenuhr. Es fehlt das Gelächter, das „auf die Finger hauen“, beim Speck heraus fischen. Das heimliche in den Mund Stecken des letzten Stück Kuchens, schon im Schlafanzug, barfuß, bei der Oma in der Wohnung. Komisch, ich spüre jetzt noch den Läufer an den Füssen,…

Doch ich verrate Euch was!

Das ist nicht weiter schlimm. Denn die Erinnerung darf weiter leben, in uns, in unseren Erzählungen, wenn wir diese Gerichte, so gut wir können, auf den Tisch bringen und unseren Kindern, Freunden, eigenen Familien, davon erzählen. Wenn wir uns Zeit nehmen, davon zu sprechen, von den Bildern, die wir im Kopf haben. Zeit, einander zuzuhören und gemeinsam zu essen und zu reden. Uns zu erinnern an die Menschen aus der Vergangenheit, die uns geformt und begleitet haben. Und diese Erinnerungen weiter geben, an die nächste Generation. Das ist wichtig, das sind unsere Wurzeln!

Ich habe meinem Opa, ich weiß nicht wie oft, beim Nudeln machen zugesehen. Ich saß auf besagter knarzender Couch und er hat mit seinen alten, knorrigen Händen, auf dem Nudelbrett, vor mir gearbeitet. Der Tisch ächzte auch immer leicht, wegen der Belastung beim Kneten. Doch wie das mit so alten Rezepten ist, seine Angaben, als ich dann mal wirklich mitschreiben wollte, waren recht, äh, unbefriedigend. Eine Hand voll Mehl pro Person. Und dann schaust halt, wie der Teig sich anfühlt. Jetzt vergleiche mal eine kleine dünne Frauenhand, mit einer 80-jährigen Hand, die wer weiß was, schon alles erlebt hat. Nicht einfach,… Bei dem Nudelrezept habe ich dann so oft probiert, bis ich die richtigen Mengenverhältnisse hatte. Igitt, da waren einige recht unansprechende Versionen dabei, das kann ich offen zugeben.

Heute mache ich die Nudeln fast so gut wie mein Opa. Fast deswegen, weil ich ums verr… (Entschuldigung) keine so tolle knuspernde Kruste wie er hin bekomme. Ich befürchte, ich bin doch recht zögerlich bei der Fettmenge, die wie Du gleich sehen wirst, immer noch recht beeindruckend ist.

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Es ist ein vegetarisches Rezept und eigentlich keine Süßspeise. Diese Kombination, also Mehlspeise und salzig, war früher oft zu finden. Wie kommt das?

Die Familie meines Papas stammt aus Sântana in Rumänien. 1751 kamen die ersten deutschen Familien aus dem Kraichgau dort hin und siedelten sich an. Es wurde daheim Deutsch gesprochen und später, als die Kinder auch in die Schule gingen, wurde Rumänisch gelernt. Sie hatten einen kleinen Bauernhof mit Hasen, Hühnern, unter anderem Apfel-, Zwetschgen- und Marillenbäumen, Gemüse. Man verdingte sich in der Landwirtschaft und mein Papa verkaufte bisweilen mit seiner kleinen Schwester Äpfel am Bahnhof.

Das Gericht stammt aus den Kindheitstagen meiner Groß- und Urgroßeltern und ist recht typisch für die damalige Zeit, Region und auch die Bedürfnisse, die man da hatte. Man dachte nicht an Kalorien, Nährwerte oder gar Ernährungsweisen wie Vegetarismus. Die Menschen waren froh, wenn sie ausreichend und sättigend zu Essen hatten. Die Arbeit auf den Feldern war hart, anstrengend und allgegenwärtig.

So entstanden Gerichte, wie unsere „Grumperten Nudeln“, wie wir sie als Kinder immer nannten. Eigentlich heißt es „Grumbira und Nudeln“, also Kartoffeln und Nudeln. Eine sonderbare Kombination für uns, in unserer heutigen Zeit. Es zielt voll und ganz darauf ab, lange satt zu machen, Kraft zu geben.

Und für mich und unsere beiden Kinder ist es zudem eines der leckersten Gerichte überhaupt! 

Zutaten für 4 Personen

400 g Mehl
4 Eier

1 Prise Salz
3 EL Wasser
8 Kartoffeln
10 EL Semmelbrösel
6 EL Butterschmalz oder Pflanzenfett
200 g Sauerrahm
Salz
Evtl. Apfelmus
Zimt& Rohrzucker

Zubereitung

Zutaten für die Nudeln mit der Hand oder der Küchenmaschine zu einem homogenen, elastischen Teil verkneten, der nicht mehr kleben darf. Evtl. noch etwas Mehr dazu fügen. Mit der Hand dauert der Knetvorgang ca. 8 Minuten.

Die Nudeln mit dem Nudelholz oder der Nudelmaschine dünn ausrollen und zu Bandnudeln weiter verarbeiten.Kartoffeln schälen und klein würfeln, in Salzwasser gar kochen. Das Kochwasser nicht weg gießen! In einer Pfanne das Fett erhitzen, die Semmelbrösel und ca. ¾ der mit der Schaumkelle herausgenommenen Kartoffelstückchen leicht bräunen.

Die restlichen Kartoffeln mit dem Kartoffelstampfer im Kochwasser zerstampfen, ca. 2 EL geröstete Semmelbrösel und 2 EL Sauerrahm einrühren. Die Suppe dickt mit den Bröseln schön ein. Mit Salz abschmecken.Nudeln in der Zwischenzeit ca. 2-3 Minuten gar kochen lassen, abtropfen und ¼ davon in die Suppe und die restlichen zu den Bröseln geben.Mit Sauerrahm oder Zimt & Rohrzucker und Apfelmus servieren.

So, jetzt kennst Du ein für mich sehr kostbares Rezept aus meiner Kindheit. Ich kann Dir leider nicht die Gefühle schicken, die ich habe, wenn ich es esse. Aber vielleicht magst Du mich ja mal ab und zu auf dem Blog besuchen. Dich von mir berühren lassen.

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